Sodom und Gomorrah!

Gehören Kosten für Tabak und Alkohol wirklich zum Grundbedarf eines jeden Deutschen? Ist die Einschätzung des Geschäftsführers des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ulrich Schneider, zu den Bedürfnissen von Hartz IV Empfängern richtig, wenn er sagt::

“Man kann nicht verlangen, dass sie ein restlos trostloses Leben führen.” Sie hätten ein Recht auf Freude im Alltag. Und damit auch auf Alkohol, Nikotin oder Schnittblumen…”

Alkohol, Nikotin und Schnittblumen entscheiden also darüber, ob Menschen Freude im Alltag erleben können?

Laut Statistiken der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. rauchen 25 % aller Erwachsenen regelmäßig. Soll das bedeuten, dass 25 % der Erwachsenen Deutschlands tatsächlich bestimmen, ob Tabak zum Grundbedürfnis eines Menschen gehört? Und wir alle wissen doch, dass der Genuß von Zigaretten das Krebsrisiko exponential erhöht, oder? Muss es dann nicht unser Ziel sein, dass Zigaretten möglichst aus dem Alltag verschwinden? Und trägt der Staat hierfür nicht die Verantwortung?

Wie kann ich dann als Spitzenfunktionär Funktionär eines der größten deutschen Verbände, oder aber als Drogenbeauftragte der Bundesregierung allen Ernstes behaupten, dass Tabakgenuß zur Freude der Menschen im Alltag beiträgt oder aber zu den Grundbedürfnissen der Menschen zählt?

Tabak- und Alkoholgenuß führen zu höheren Krankheits- und Sterberaten und belasten daher unnötigerweise die Sozialsysteme, deren Finanzierung auf dem Rücken des Deutschen Steuerzahlers liegt.

Wohin das u.a. führt kann man sehr gut an dem “Gesundheitsreförmchen” von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler erkennen, die die Last mal wieder ausschließlich den Arbeitnehmern aufbürdet und in letzter Konsequenz nicht Kosten vermeidet und senkt, sondern vielmehr steigende Kosten ausgleicht.

Die eigentliche Frage die bei dem Berechnungsproblem von Hartz IV im Raum steht ist doch, dass wir gerne kontrollieren würden, dass diese staatlichen Mittel möglichst sinnvoll (u.a. für Bildung etc.) aufgewendet werden sollen und nicht etwa für Alkohol- und Drogenexzesse der Eltern, während die Kinder weiter und weiter im sozialen Milieu abrutschen, weil sich keiner um sie kümmert.

Zu stark sind wir geprägt von entsprechenden Berichten in den Medien, die uns immer wieder plakativ vor Augen führen, wie extrem Mißbrauch mit Hartz IV betrieben werden kann. Zu selten sehen, hören oder lesen wir Beispiele von Eltern, die trotz Hartz IV versuchen, eine gewisse Normalität in der Lebensführung beizubehalten.

Es mag zwar hart und für viele vielleicht auch unsozial klingen, aber wer staatliche Hilfe in Anspruch nimmt, der muss auch in Kauf nehmen, dass mit deren Überlassung auch eine gewisse staatliche Steuerung einhergeht. Die Menschen müssen ja nicht gleich ihrer Selbstbestimmung beraubt werden, aber im Interesse aller sollte es schon möglich sein, gewissen Einfluss zu nehmen.

Und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass das Thema Alkohol und Tabak für diejenigen, die trotz Hartz IV eine “Normalität aufrecht erhalten wollen” überhaupt ein Thema ist. Diese Menschen begreifen diese Art der Staatlichen Hilfe als das, was Sie eigentlich mal sein sollte… temporäre Unterstützung und Überbrückung.

Wenn man also die Diskussion weniger emotional führen und mehr versachlichen würde, dann käme man vielleicht zu offenen und umsetzbaren Konzepten, an denen sich der gesunde Menschenverstand, und mehr braucht es bei dieser Diskussion eigentlich nicht, nicht stossen würde.

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Über LuM

Wahrheit „= Eine Fackel, aber eine ungeheure; deswegen suchen wir alle nur blinzelnd so daran vorbei zu kommen, in Furcht sogar, uns zu verbrennen.” Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), dt. Dichter

One Kommentar

  • Mai 15, 2011 | Permalink | Antworten

    Die FDP hat schlicht zu lange zugesehen, wie Westerwelle die Partei kaputt macht. Ein Aufbruch sieht nun mal in der Tat anders aus. So, wie ich das erlebe, hat die FDP wie vorher noch noch niemals in ihrer Historie an Substanz und Glaubwürdigkeit verloren. Die, die sie 2009 zum ersten Mal gewählt haben, werden das definitiv nicht mehr tun. Noch schlimmer ist allerdings, dass ihr jetzt auch die ohnehin kleine Stammwählerschaft den Rücken kehrt. Man fragt sich unweigerlich, wer braucht tatsächlich die FDP? Ausser die Kanzlerin niemand mehr.

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