Der heilige Norbert!

Endlich. Endlich hat sich mal jemand ein Herz gefasst und uns Normalbürgern erklärt, dass Raffgier und Geldgeilheit völlig unmoralische Lebensgrundlagen sind, die auf das Schärfste verurteilt werden müssen.

Ja, ja, schon klar. Wir wissen ja alle dass es Tausende, wenn nicht sogar Millionen gibt, die Tag für Tag bei den verschiedensten Gelegenheiten das Gleiche sagen oder auch seit Jahren gesagt haben. Der kleine aber feine Unterschied ist, dass es diesmal Norbert Lammer, unser Bundestagspräsident war, dem wir diese Weisheiten zu verdanken haben.

Ausgerechnet Norbert Lammer. Ausgerechnet ein deutscher Parlamentarier, der sich über die viel zu hohen Gehälter der Manager und deren Selbstbedienungsmentalität öffentlich mokiert (http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,844537,00.html).

Wenn wir uns z.B. als Stammtischbrüder darüber aufregen, egal ob Hartz IV Empfänger, Arbeiter oder Angestellter, dann wirft man uns sofort Sozialneid und mitunter noch viel schlimmere Dinge vor. Vorwürfe, die uns sofort das Recht abschneiden sollen, kritisch zu den sozialen Strukturen und die Verteilung des Eigentums Stellung zu nehmen.

Insofern sollten wir also Norbert Lammer dankbar sein, meinen Sie? Ja, prinzipiell schon, wenn da nicht jeden Monat die 8.252 € (ab 01.01.2013) Diäten und die (steuerfreie) 4.029 € Aufwandsentschädigung und die bis zu 15.000 € monatliche Kostenübernahme für Personal und die Funktionszulage und die Rentenversicherungsfreiheit und die Fahrmittelfreiheit und die Krankenversicherungsbeteiligung und und und wären (http://de.wikipedia.org/wiki/Abgeordnetenentsch%C3%A4digung#Kostenpauschale).

Vielleicht hat sich Norbert Lammert ja mit der von ihm nun so heftig kritisierten Gruppe verglichen und dabei festgestellt, dass er dabei sehr schlecht weggkommt. Vielleicht hätte er sich aber auch mal mit uns vergleichen sollen, Menschen die z.B. in Ballungszentren mehr als 50 % ihres verfügbaren Einkommens alleine schon für Miete ausgeben  (und dabei sprechen wir nicht von Luxusunterkünften) und mit dem Rest Ihre mehr oder weniger bescheidene Lebensführung bestreiten müssen.

Es gibt gigantische Einkommensunterschiede in den Unternehmen, selbst zwischen der ersten und zweiten Leitungsebene, sagte Norbert Lammert der “Süddeutschen Zeitung”. Das sei nicht zu rechtfertigen, schon gar nicht mit entsprechenden Leistungs- und Verantwortungsdifferenzen.”

Ich finde es ehrlich gesagt zum Kotzen, wenn sich Menschen wie Norbert Lammert, die finanziell sicher besser ausgestattet sind als ein Großteil der Bevölkerung, sich über die aufregen, die noch mehr verdienen. Dabei lässt er ja selbst auch nur so tief blicken, wie es die Richtlinien das Bundestages vorsehen. Richtlinien, die sich die Parlamentarier selbst auferlegen (oder auch nicht).

Nach aktuellen Angaben ist er neutrales Mitglied im Aufsichtsrat der Ruhrkohle AG und erhält für seine Tätigkeit mehr als 7.000 €. Wie viel es letztlich wirklich sind, wer weiß das schon?

Lieber Norbert Lammer, zeigen Sie Einsicht und setzen Sie sich für die Leute ein, die Ihre Hilfe brauchen. Und hören Sie auf mit dem Finger auf diejenigen zu zeigen, denen Sie vielleicht gar nicht so fern sind. Zumindest aus der Sicht eines Normal(Gering)verdieners betrachtet.

 

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Über LuM

Wahrheit „= Eine Fackel, aber eine ungeheure; deswegen suchen wir alle nur blinzelnd so daran vorbei zu kommen, in Furcht sogar, uns zu verbrennen.” Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), dt. Dichter

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