Leute entlassen kann jeder!

Wie der Siemens-Konzern der geneigten Zuhörerschaft heute mitteilte, wurde die Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr auf 7,5 Milliarden Euro angehoben. Bisher hatte man mit einem Gewinn von 6,0 – 6,5 Milliarden Euro gerechnet. Wenn Siemens diese neue Marke auch noch überträfe, dann wäre das der bislang höchste operative Gewinn der Firmengeschichte.

Wenn dies nun auf einen stärkeren Absatz und/oder die anziehende Konjunktur zurückzuführen wäre, dann könnten sich alle Beteiligten freuen und einer rosigen Zukunft entgegensehen. Aber leider ist es nicht so.

Viele Leser, die Unternehmensnachrichten bereits seit längerer Zeit verfolgen, werden sicher schon ahnen woher diese Gewinnsteigerung rührt. Na? Richtig, sozialverträglicher Personalabbau heißt das Zauberwort (umgangssprachlich, und ich betone hier das Wort umgangssprachlich, auch gerne Entlassungen genannt). 16.000!! Stellen wurden “abgebaut”, d. h. Leute in die Arbeitslosigkeit geschickt, Einzelpersonen aber auch Familien vor eine ungewisse Zukunft gestellt. Multipliziert man die Zahl der Entlassungen mit dem durchschnittlichen monatlichen Einkommen in Deutschland (statistisch 2.250 Euro), dann beträgt die monatliche Ersparnis von Siemens 36 Mio. Euro, macht im Jahr eine Kostensenkung in diesem Bereich von alleine 432 Mio. Euro. Vermutlich liegt diese Zahl noch viel höher, da Siemens ja nicht gerade als Durchschnittszahler bekannt ist.

Aber jetzt kommt das eigentlich perfide. Durch diese Entlassungen gehen dem Staat jährlich zig Mio. Euro an Sozialversicherungsbeiträgen (Krankenkasse / Rente / Pflegeversicherung) und noch mehr an Lohnsteuerzahlungen durch die (sprichwörtlichen) Lappen. Und was macht unser Staat deswegen. Er belohnt das Prinzip Siemens auch noch und erteilt aus den Konjunkturprogrammen Aufträge an den Konzern von bislang 3 Mrd. Euro. Und bis Herbst 2012 sollen daraus, wenigstens nach den Wünschen des Konzernchefs Peter Löscher, 15 Milliarden Euro werden.

Honi soit qui mal y pense!

Bildquelle Siemens_Palais: Florian Adler

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One Kommentar

  • Juni 12, 2011 | Permalink | Antworten

    Geht man den Gedanken von Siemens konsequenter weiter, müsste der Konzern alle Mitarbeiter entlassen, damit er dann maximalen Gewinn macht. Doch das funktioniert ja bekanntlich nicht, da 1. der Überbau dann überproportional an Kosten zunähme und den Gewinn wieder – relativ – schmälern würde und 2. keiner da wäre, der die Produktion aufrecht erhalten würde, also nichts produziert würde, was Gewinn abwürfe. So geht Siemens wie jeder Großkonzern den Weg der Maximierung des Profits durch Auslagerung – Neudeutsch: Outsourcing – und lässt Teile der Produktion in Billiglohnländern oder durch Leiharbeiter produzieren.

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